img

Verschiedenes über ayurvedische Therapien

 

svedana – Dampfbäder; Schwitzkur

(Textauszug aus dem Werk Ayurveda-Lehrbuch – Caraka-Samhita-Kompendium, Sutrasthana 5.2)

Nach der Abhandlung über snehana („Ölung”) im 13. Kapitel beschreibt Atreya Muni verschiedene Methoden des Schwitzens. Der Sammelbegriff für diese Methoden lautet svedana. Svedana wird angewandt nach snehana und beseitigt Krankheiten, die durch vata oder kapha oder beide zusammen verursacht werden. Wie trockenes Holz biegsam wird durch die Anwendung von Hitze und Öl, so wird der menschliche Körper „biegsam” durch snehana und svedana. Svedana ist effektiv, wenn es unter Berücksichtigung der drei Faktoren (1) Krankheit, (2) Jahreszeit und (3) Patient, nicht zu heiß und nicht zu mild ist und mit den richtigen Drogen am richtigen Ort angewandt wird.

In starken Personen und bei durch Kälte verursachten Störungen sollte svedana stark, in mäßig starken Personen mittel und in schwachen Personen mild sein.

Svedana ist nützlich bei vata-kapha, vata und kapha. Bei vata-kapha ist die Anwendung ölig-rauh, bei vata ölig und bei kapha rauh.

Wenn bei kapha-dosha vata in amashaya (Magen - Sitz kaphas) lokalisiert ist, sollte svedana zuerst rauh und dann ölig sein, und wenn bei vata-dosha kapha in pakvashaya (Mastdarm und unterer Teil des Dickdarms - Sitz vatas) lokalisiert ist, sollte rauhes svedana öligem folgen, da zuerst der inhärente lokale dosha (kapha in amashaya und vata in pakvashaya) korrigiert werden muß.

Hoden, Herz und Augen sollten nicht fomentiert werden, die Leisten mittelmäßig und die übrigen Körperteile nach Notwendigkeit. Während svedana sollten die Augen mit einem Seidentuch oder mit Blütenblättern einer Lotosblume oder Wasserlilie bedeckt sein. Die Herzregion sollte mit einer Perlenkette, Lotosblüten oder anderen kühlenden Utensilien bedeckt werden.

Indikationen

Svedana ist angebracht bei Husten; Erkältung; Schluckauf; Dyspnoe; Ohrenschmerzen; Halsschmerzen; Kopfschmerzen; Heiserkeit; Gesichtsparalyse; Läh­mung einer Körperseite; Verstopfung; Harnretention; Steifheit in den Seiten, Rücken und Hüften; Sciatica; Dysurie; Schmerzen und Steifheit in den Füßen, Knien und Oberschenkeln; Schwellungen; ama-Zuständen; Schüttelfrost, Zittern und anderen vata- bzw. kapha-Störungen.

Kontraindikationen

Svedana sollte nicht angewandt werden bei Personen, die regelmäßig Wein trinken; bei Komplikationen von Alkoholismus und Vergiftung; bei Schwangeren; bei raktapitta, Diarrhoe, Hernie, Prolaps, Rauheit, pittajameha; bei müden Personen; bei Bewußtlosen; bei Müdigkeit, Hunger, Durst, Zorn und Kummer; bei Gelbsucht, Verletzungen, Verbrennungen, vatarakta; bei schwachen, abgemagerten Personen und bei Personen mit vermindertem ojas.

Dauer der Schwitzkur

Svedana sollte beendet werden, wenn Kälte und Schmerzen, Steifheit und Schwere weichen und Schwitzen und Weichheit erzeugt worden sind.

Zeichen übermäßigen Schwitzens

Ohnmacht, Durst, Brennen, Schwäche der Stimme und der Organe und Anregung von pitta sind die Zeichen von übermäßigem svedana. In diesem Fall müssen pitta-besänftigende, kühlende Maßnahmen ergriffen werden.

Ort, Utensilien und Helfer

Einige svedana werden in eigens dafür gebauten Hütten oder Räumen durchgeführt, in deren Mitte ein spezieller Ofen steht. Die Caraka-samhita gibt eine genaue Beschreibung des Raumes, des Ofens und aller notwendigen Utensilien. Zu den Utensilien gehören Wassereimer, Bett, Stuhl, Kochgeschirr, Decken etc.

Dem Arzt zur Seite stehen ein Badehelfer, ein Koch, der die diätetischen Präparationen und Kräuterdekokte zubereitet und wenn der Patient eine wichtige Persönlichkeit ist, vielleicht noch Sänger, Musiker und Erzähler, die für das psychische Wohl des Patienten sorgen.

Verschiedene Arten der Fomentation

Agnivesha beschreibt 13 svedana-Arten: sankara, prastara, nadi, parisheka, karshu, avagahana, jentaka, ashmaghana, kuti, bhu, kumbhika, kupa und holaka. Wir wollen uns mit kurzen Beschreibungen einiger sveda-s begnügen.

Bei ashmaghana-sveda wird eine mannsgroße Steinplatte mit vata-beseitigendem Holz erhitzt. Nach dem Entfernen der Holzkohle wird heißes Wasser über den Stein gesprengt. Die Platte wird dann mit einer Wolldecke bedeckt. Der Patient sollte – nachdem er mit Öl massiert worden ist und ein Gewand aus Seide angelegt hat – mit einer anderen Decke zugedeckt darauf schlafen.

Bei parisheka-sveda wird der Körper des Patienten mit Abkochungen verschiedener vata-beseitigender Drogen abgebraust. Der Patient ist dabei mit einem dünnen Tuch bedeckt.

Es kann auch ein Eimer mit einer vata-besänftigenden Abkochung halb in die Erde eingegraben werden. Darüber wird ein Stuhl gestellt, auf den sich der Patient setzt. Dann werden heiße Eisenkugeln oder Steine in den Eimer geworfen und der Patient wird durch den entstehenden Dampf fomentiert. Dies ist khumbika-sveda.

Svedana kann auch ohne Wasserdampf geschehen. Der Patient liegt dann einfach in einem erhitzten Raum ähnlich einer Sauna oder einer indianischen Schwitzhütte. Das besondere dabei ist, daß der Raum mit dem Holz bestimmter Heilpflanzen, welche eine vata-vermindernde Wirkung haben, geheizt wird.

Bei kupa-sveda wird an einem glückverheißenden, windstillen Platz ein Graben ausgehoben und mit Kuh-, Elefanten-, Esel- oder Kameldung gefüllt. Wenn das Material verbrannt ist, wird eine Liege darüber gestellt. Der Patient legt sich darauf, deckt sich gut zu und schwitzt.

Eine weitere svedana-Methode ist das Baden in heißer Milch, Öl, ghrita, Fleischbrühe oder Wasser.

In manchen Fällen mögen heiße Umschläge genügen, bei denen Wein, Weizenspreu und Gerstenmehl vermischt mit sauren und öligen Substanzen, Salz und Linsenabsud etc. zur Anwendung kommen.

Svedana kann entweder ölig oder nicht-ölig sein. Es kann an einem Teil des Körpers oder am ganzen Körper angewandt werden und es kann ohne Feuer (durch körperliche Anstrengung, schwere Kleidung, Sonne, Kampf, Zorn etc.) oder mit Feuer erzeugt werden.

Verhalten nach svedana

Wenn der Patient alle Unreinheiten ausgeschwitzt hat und frei geworden ist von Schmerzen, Steifheit, Gliederschwere etc. sollte er nicht sofort mit kaltem Wasser in Berührung kommen,1 sondern sich allmählich abkühlen und nach einer muhurta (dreiviertel Stunde) eine warme Dusche nehmen, um den Schweiß abzuwaschen.

Nach svedana sollte der Patient die für ihn geeignete Speise zu sich nehmen und körperliche Anstrengung an diesem Tag vermeiden.

Anmerkungen

1 Nach dem Schwitzen in einer Sauna direkt in kaltes Wasser zu springen, mag für manche Personen angenehm und unschädlich sein, wird aber nach dem Ayurveda im allgemeinen nicht als empfehlenswert betrachtet. Lokale Kälteanwendungen in Form eines Wickels nach einem körperwarmen Bad (z.B. bei Sciatica) sind etwas anderes.