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Verschiedenes über Krankheiten

Sāma und Nirāma

Experten des Ayurveda beschreiben zwei Stadien der Krankheit: sāma (verbunden mit āma) und nirāma (frei von āma). Wenn kayāgni, Faktoren, die für Verdauung und Metabolismus verantwortlich sind, unterdrückt oder in ihrer Funktion gestört werden, wird rasa (Nahrungssaft) nicht richtig transformiert. Der beeinträchtigte rasa tritt in āmāśaya (Magen inkl. oberer Teil des Dünndarms) ein. Dies nennt man āma. Nach anderer Ansicht wird āma erzeugt durch die Interaktion exzessiv gestörter doṣas.

Āma bedeutet wörtl. „unreif”, „unverdaut” und entsteht durch die Einnahme unzuträglicher und antagonistischer Nahrung; Essen bevor die letzte Mahlzeit verdaut ist; Einnahme rauher, kalter, trockener Nahrung im Übermaß; ungeliebte Nahrung; unreine Nahrung; zuviel Essen.

Nach Vagbhatas Ansicht (Aṣṭaṅga-Hṛdaya-Saṃhitā, Su. 13.25) wird durch Unterfunktion oder gestörte Funktion agnis (das Verdauungsfeuer) rasa-dhatu nicht richtig gebildet. Stattdessen geht der im āmāśaya zurückgehaltene anna-rasa (Nahrungssaft) in einen Zustand der Fäulnis oder Fermentation über. Es ist dieses Stadium rasas, das man āma nennt.

Wenn die beeinträchtigten doṣas und dhatus (Körpergewebearten) mit āma in Verbindung geraten, werden sie sāma genannt. Krankheiten, die verursacht werden durch solche beeinträchtigten doṣas verbunden mit āma, werden ebenfalls sāma genannt.

Symptome von sāma sind:

  • Verlust von Stärke
  • Blockaden in den srotas (feine Körperkanäle)
  • Indigestion und übermäßiger Speichelfluß
  • Konstipation
  • Anorexie
  • Müdigkeit
  • Gelb-, Rot- oder Schwarzfärbung von Stuhl, Urin, Nägeln, Zähnen und Augen
  • Kopfschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • Schmerzen in Rücken, Knochen, Lendenbereich und Gelenken
  • gelegentliches Erscheinen von Ödemen
  • Fieber und Diarrhoe
  • Geschmacksverlust
  • Niesen
  • Kribbeln oder Juckreiz

Wenn diese Symptome nicht vorhanden sind, sind die doṣas nicht mit āma verbunden.

Wenn doṣas mit āma verbunden sind, werden folgende Therapien verordnet:

  • Verabreichung von dipana- und pacana-Drogen (Drogen, die agni, das Verdauungsfeuer, anregen, um āma zu verdauen und Drogen, die āma verdauen ohne agni anzuregen). Dipaniya-Drogen sind z.B. Pippali, Pippali-Wurzel, Cavya, Citraka, Ingwer, schwarzer Pfeffer, Ajamoda
  • svedana (verschiedene Methoden des Schwitzens und der Fomentation)
  • vamana (Emesis)
  • virecana (Purgation)
  • langhana (Fasten)
  • nasya (Nasaltherapie) mit verschiedenen Kräuter-Ölen

Die beeinträchtigen doṣas setzen sich in einem bestimmten Teil oder Organ des Körpers fest aufgrund der Beeinträchtigung/Behinderung der srotas in diesem Körperteil, wo sich dann die Krankheit manifestiert. Wie Regen an einem bestimmten Ort aus einer Wolke über diesem Ort niedergeht, so manifestiert sich die Krankheit an einer bestimmten Stelle im Körper oder im ganzen Körper.

Wenn ein Haus längere Zeit nicht gereinigt wird, sammelt sich viel Schmutz an und beeinträchtigt das Leben in diesem Haus. (Man stelle sich einmal vor, man müsse sich erst durch einen Wald von Spinnweben kämpfen oder über Müllberge steigen etc., wenn man von einem Zimmer zum anderen gelangen will.) Je mehr Schmutz sich angesammelt hat, desto länger dauert es und desto schwieriger wird es, das Haus zu reinigen. Mit dem Körper verhält es sich ähnlich. Im Laufe der Zeit können sich viele Schlacken und Toxine (āma) im Körper ansammeln und verschiedene ernsthafte und schwer zu heilende Krankheiten hervorrufen. Deshalb sollte man durch heilsame Diät und heilsames Verhalten dafür sorgen, daß das Haus des Körpers nicht verunreinigt wird oder es frühzeitig reinigen durch oben genannte Therapien, wenn āma-Symptome auftreten.