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Spirituelle Aspekte im Ayurveda

Die Kategorie »Spirituelle Aspekte im Ayurveda« beinhaltet wichtiges Wissen über den Zusammenhang von Gesundheit und Leben im Einklang mit der göttlichen Ordnung.

Krankheit und Karma

Krankheit und karma ist ein Thema, das gerade in der heutigen Zeit Beachtung verdient. Wenn eine normalerweise heilbare Krankheit von einem erfahrenen Arzt durch ayurvedische Methoden nicht beseitigt werden kann, kann man davon ausgehen, daß es sich um eine karmische Krankheit handelt. Das bedeutet, daß die Krankheit ihre Ursache in sündhaften Handlungen des Patienten hat. Der Patient hat in diesem oder im vorigen Leben Handlungen ausgeführt, als deren Folge er in diesem Leben mit einer unheilbaren Krankheit geschlagen ist. Karma bedeutet Aktion, Handlung, Tat und bezieht sich im philosophischen Sinne auf Reaktionen oder Folgen von Handlungen. Genauso wie jede Aktion eine bestimmte Reaktion zur Folge hat – z.B. man wirft einen Ball an eine Wand und der Ball springt zurück –, so haben auch alle menschlichen Handlungen eine Folge. Man erntet immer nur das, was man gesät hat. Wer Gewalt und Leid sät, wird Gewalt und Leid ernten und wer anderen Gutes tut, dem wird auch Gutes widerfahren. Unsere Handlungen sind wie Samen. Man sät sie aus, sie keimen, wachsen heran, blühen und tragen Früchte, jedes zu seiner Zeit. Die Früchte mancher Handlungen erhält man erst im nächsten Leben und wenn man dann leiden muß, wundert man sich und denkt „womit habe ich das verdient?, ich war doch immer rechtschaffen und habe niemandem etwas zuleide getan; warum muß ich anständiger Mensch leiden und den Schurken geht's gut?“

Der Körper ist das Produkt von Handlungen. Handlungen, die in diesem Leben ausgeführt werden, bilden die Grundlage für den nächsten Körper mit all seinen Schwächen, Fehlern und Stärken, und Handlungen und Verhalten im vorherigen Leben sind verantwortlich für den jetzigen Körper. Selbst ererbte genetische Defekte und Krankheiten sind letztendlich selbstverursacht. Man kann sich seine Eltern nicht aussuchen und es ist auch kein Zufall, in welcher Familie, welchem Land etc. man Geburt nimmt; dies wird alles durch karma, durch eigenes Handeln und Verhalten unter höherer Aufsicht bestimmt. Schicksal ist selbstverursacht. Törichte Menschen machen gerne andere für ihr Leid verantwortlich, und wenn sie niemanden finden, dem sie ihre eigene Verantwortung in die Schuhe schieben können, ist „der liebe Gott“ an allem schuld.

Was nun bedeutet „sündhafte Handlungen“? Man hört sogar von sogenannten Theologen, es gäbe keine Sünde und die einzige Sünde bestehe darin, an Sünde zu glauben. Wenn es keine Sünde gibt, dann gibt es auch keinen Gott und keine göttlichen Gesetze, denn Sünde bedeutet, daß man gegen göttliche Gesetze verstößt und wie alle Aktionen Reaktionen zur Folge haben, so haben auch Verstöße gegen die göttliche Ordnung unangenehme Folgen. Der Höchste Herr, die höchste Intelligenz, kontrolliert diese Welt in absoluter Gerechtigkeit durch Seine zu allen Zeiten gültigen Gesetze. Es ist zum Beispiel eine Sünde, zu stehlen, zu betrügen, Kühe und Menschen zu töten und Heilige und Götter zu beleidigen. Im letzten Fall kann es – nach Aussage der Caraka-Saṃhitā – dem Sünder passieren, daß er mit unmada (Verrücktheit) oder kuṣṭha (Lepra), geschlagen wird.

Alles Leid wurzelt in Unwissenheit. Wenn man für immer frei werden will von Leid, muß man sich Wissen über die göttlichen Gesetze aneignen. In der vedischen Kultur war das einfach, da das vedische Wissen als Standardwissen für eine zivilisierte Gesellschaft anerkannt war. Heute aber, wo die Vedas von vielen mißachtet werden und den meisten Menschen unbekannt sind und unzählige Spekulanten durch die Medien atheistische und pseudoreligiöse Thesen verbreiten, ist dies nicht mehr so einfach.

Im Caraka-Saṃhitā heißt es: „....Zu den Krankheiten, die sich zu einer bestimmten Zeit manifestieren, gehören auch jene, die durch die sündhaften Handlungen des vergangenen Lebens verursacht werden. Sie manifestieren sich, wenn die Zeit reif ist, d.h. wenn die Frucht der Handlung ausgereift ist oder anders ausgedrückt, sie manifestieren sich als Früchte bestimmter Handlungen des vergangenen Lebens. Solche Krankheiten können nicht durch therapeutische Maßnahmen beseitigt werden. Sie vergehen, wenn die karmischen Reaktionen abgetragen worden sind....“

Es kann passieren, daß die Krankheit mit dem Tod endet und erst dann das karma abgetragen ist. Wenn ein gelehrter Arzt trotz aller Bemühungen eine Krankheit nicht heilen kann und zu der Überzeugung gelangt, daß die Krankheit karmischer Natur ist, sollte er dem Kranken raten, das zu tun, was jeder, der an seinem Glück interessiert ist, sowieso tun sollte – ein frommes Dasein nach den Anweisungen der shastra (offenbarte Schriften) zu führen, falls der Patient es nicht schon tut. Karmische Reaktionen können durch bestimmte Bußen, Opferausführungen, Gebete und andere spirituelle Handlungen beseitigt oder zumindest abgeschwächt werden.1

Genau genommen ist fast jede Krankheit eine Folge von karma, von Handlungen, ob die Handlungen nun sündhaft waren oder nicht. Alles hat eine Ursache und die Ursachen von Krankheiten und Störungen im Körper und Geist liegen letztlich in jedem selbst – hauptsächlich in Unwissenheit, Unvernunft und mangelnder Selbstbeherrschung.

Man mag sich fragen: „Aber selbst wenn jemand alles richtig macht, sich nach ayurvedischen Prinzipien ernährt und vernünftig lebt, kann ein Mensch – besonders wenn er empfindlich ist – noch durch äußere Faktoren wie Maschinenlärm, Abgase, Umweltgifte, schlechte Wohnsituation, rücksichtslose Nachbarschaft und vieles mehr erkranken. Wo liegt denn da die Ursache in ihm selbst? Er hat aus verschiedenen Gründen vielleicht keine Möglichkeit, den für ihn üblen, ungünstigen Ort zu verlassen, er ist dort sozusagen gefangen.“

Die Antwort lautet: „Die Wohnsituation eines jeden hängt auch von seinem karma, seinen vergangenen und gegenwärtigen Taten, ab. Jemand, der heute rechtschaffen lebt in der göttlichen Ordnung und ayurvedische Gesundheitsprinzipien beherzigt, wird morgen – d.h. noch in diesem oder im nächsten Leben – bessere Lebensbedingungen vorfinden. Und wenn er ernsthaft bhakti-yoga praktiziert, mag er sogar nach dem Tod dahin gelangen, wo es keine Unwissenheit, kein Leid, keine Krankheit, keine bösen Nachbarn, keine Schurken jedweder Art gibt, wo jedes Lebewesen ewig glückselig im liebevollen Dienst zum Höchsten Herrn, Sri Krishna, existiert.“

sambhūtiṁ ca vināśaṁ ca yastadvedobhayam̐ saha
vināśena mṛtyuṁ tīrtvā sambhutyā'mṛtamaśnute
„Wer die Persönlichkeit Gottes, Seine transzendentalen Namen, Seine Formen, Eigenschaften und Spiele sowie die materielle Schöpfung mit ihren vergänglichen Halbgöttern, Menschen und Tieren vollkommen versteht, überwindet den Tod und mit ihm die kurzlebige kosmische Manifestation. Und im ewigen Königreich Gottes genießt er sein ewig glückseliges Leben.“
— Śrī Īśopaniṣad, Mantra 14

Den Vers hören (Sanskrit und Übersetzung).

Anmerkungen

1 Siehe: Dreifache Unterteilung der Therapie, Daivavyapaśriya – spirituelle Therapie